BEGEGNUNG
mit John David (vormals Premananda)

SATSANG

John David (vormals Premananda) spricht mit Eddie Blatte
Januar 2003 - Tiruvannamalai, Indien


John David
(vormals Premananda)

Bilder

Satsang

Erwachen

Lebensweg

Über Erleuchtung

Mehr Interviews


Contact

HOMEPAGE

 

E: Du gibst jetzt seit fünf Jahren Satsang? Was genau bedeutet Satsang, und was bietest Du Menschen an, die zu deinen Satsangs kommen?

P: Also, das Wort "sat" bedeutet Wahrheit, Satsang meint eine Begegnung in Wahrheit. Nachdem ich in Australien ankam, begann ich bald mit Leuten zu arbeiten, anfangs unterrichtete ich Meditation und einige Heilkünste, die ich kenne. Zur gleichen Zeit sah ich, daß ich diese einfache Wahrheit teilen wollte, die mein Freund mir versucht hatte zu zeigen, die Papaji mir schließlich zeigte, ich wollte es mit Leuten teilen.

Anfangs dachte ich, daß jedermann es würde wissen wollen. Ich erinnere mich an meine ersten Tage in Sydney, ich lief herum und fühlte mich, als hätte ich eine Tasche voller Diamanten. Ich wollte diese Diamanten weitergeben und war erstaunt zu entdecken, daß niemand sie wollte. Ich konnte keine Leute finden, um ihnen diese Diamanten zu geben. Niemand war interessiert an dieser einfachen Wahrheit; sie waren viel zu beschäftigt mit ihren Leben. Ich bekam einen Schock. Ich fing an, Meditation zu unterrichten und andere Dinge und allmählich kamen Schüler, und ich erkannte an einem bestimmten Punkt, daß, was ich mit diesen Leuten teilte, mein Selbst war, das Selbst. Das wurde mir allmählich klarer, und daß, obwohl sie nicht bewußt an dieser Wahrheit interessiert waren, es sie zu mir gezogen hatte.

In der Nacht, in der Papaji seinen Körper verließ, am 7. September 1997, leitete ich gerade ein Reiki-Wochendseminar. Als er seinen Körper verließ, war es etwa Mittagszeit in Australien. Ich war alleine auf einen Spaziergang gegangen und hatte plötzlich dieses sehr kraftvolle energetische Erlebnis und eine innere Mitteilung von Papaji, mit der ich vertraut war, die mir sagte, daß ich etwas Bestimmtes tun sollte. Ich war skeptisch diese Botschaft betreffend und konnte es nicht glauben, obwohl die Botschaft über zwei Tage anhielt. Ich wußte nicht, daß er seinen Körper verlassen hatte. Auf eine Art war das der Anfang von Premananda bietet Satsang an. Andererseits ist es nach und nach sehr natürlich geschehen durch die Arbeit, die ich tat.
Etwa vor fünf Jahren, erinnere ich mich, begann es mit ein paar meiner Meditationsschüler. Ich sagte ihnen, daß ich ihnen mal etwas anderes anbieten wollte. So kamen ungefähr sechs Leute zusammen in jemandes Wohnung, und ich sprach über diese einfache Wahrheit. Sie waren sehr berührt. Alles geschah sehr schnell. Bald waren da zwanzig und dann kamen dreißig Leute. Auf einmal wurde uns ein Haus angeboten für eine kleine Miete, so daß wir einen Platz für Satsangs unserer Gemeinschaft haben könnten. Die Satsang Gemeinschaft strich die Wände und stellte Kissen her und richtete es als Satsang Begegnungsplatz her. Innerhalb von drei Monaten konnte die ganze Sache starten, und meine Unterrichtsarbeit begann.

Und so hast Du damit begonnen, die Wahrheit, wie Du sie verstehst, mitzuteilen. Was für eine Wahrheit ist das? Was versuchst Du die Leute in Deinen Satsangs zu lehren?

Ich bitte die Menschen nur, einen Moment anzuhalten und ruhig zu werden und zu schauen, und wenn sie schauen, bitte ich sie zu sehen, daß sie seit vielen Jahren "Ich" gesagt haben. Der Bezugspunkt ihres Lebens war "Ich", daher sehen sie die Welt von diesem Platz des "Ich" aus. Ich versuche ihnen zu zeigen, daß, wenn sie wirklich nachforschen, sie dieses "Ich" nicht finden können.
Sie haben den Glauben, daß da ein "Ich" ist und eine Beziehung zu einer von dem Selbst getrennten Welt. Ihre Eltern und die Gesellschaft haben diesen Glauben weitergegeben und verstärkt; die ganze Gesellschaft unterstützt es. Ich versuche und zeige Menschen, daß es nicht wahr ist, daß es ein falscher Glaube ist. Ich helfe Menschen, ein wenig ruhig zu werden, so daß sie einen gewissen Freiraum haben, wo die "Geschichte" nicht so drückt. In diesem Raum ist es möglich, das Selbst zu erkunden und zu verstehen, daß in der Tat dieser Glaube nicht die Wahrheit ist. Wenn das einmal klar gesehen wird, dann ändert sich alles für diese Person.

Einer der traditionellen Wege, die Wahrheit des "Ich" zu entdecken, ist Selbst-Befragung. Davon sprach Ramana Maharshi, und er war der Lehrer Papajis. Kannst Du uns sagen, was Selbst-Befragung ist und Schritt für Schritt, wie man sie macht, falls es tatsächlich etwas zu machen gibt?

Es gibt bestimmte Voraussetzungen für Selbst-Befragung. Ramana Maharshi selbst sagte, daß dies der direkteste Weg, das Selbst zu erkennen, sei. Jedoch braucht es etwas Arbeit, etwas Zeit, den Verstand kennenzulernen und zu beruhigen. Welche Methode auch immer man benutzt, wichtig ist, zu einem "sattvic", einem reinen Verstand zu kommen, einem klaren und friedvollen Verstand. Dies ist ein Verstand, der offen ist, die Wahrheit zu verstehen. Die meisten Leute haben solch einen geschäftigen Verstand, und sie sind so identifiziert mit ihren Geschichten, daß da ganz einfach kein Raum ist, in welchem Selbst-Befragung geschehen kann. Wenn Du Selbst-Befragung in jenem beschäftigten Zustand versuchst, wirst du mit dem Verstand im Kreis gehen. Selbst-Befragung gelingt dann nicht.
Wenn du zu einem sattvigen Zustand gelangst, wenn du dir dann selbst die Frage stellst "Wer bin ich?", dann beginnst du zu verstehen, daß dieses "Ich", das "Ich", welches etwas tut, das "Ich", das an Dinge glaubt und das "Ich", das beurteilt, nicht wahr ist. Am Anfang ist Selbst-Befragung ein Weg tiefer zu schauen. Sowie du tiefer schaust, wirst du herausfinden, daß Befragung dich zu Stille und Frieden bringt (es bringt dich nicht zu irgendeiner Art gescheiter Antwort).

Ist jene Befragung in der Hauptsache eine intellektuelle verbale Erkundung? Oder ist es eine tiefere Gefühlsbefragung?

Es ist keine geistige Erkundung. Anfangs kann es eine geistige Erkundung sein und durch diese kannst du dahin kommen, die Wahrheit zu sehen, daß du nicht der Verstand bist, also anfangs mag es so gehn. Aber, wenn du es aus einem reinen Zustand heraus beginnst, wirst du sehn, daß es dich zu jenem friedvollen Platz in dir selbst bringt. Indem du herausfindest, daß Selbsterkundung dich zu Frieden oder Leere bringt, kannst du dem Verstand nicht mehr glauben. Du glaubst nicht länger diesem separatem "Ich", dieser getrennten Identität. Du beginnst zu erkennen, daß du Teil dieser Einheit, welche Selbst oder Gott genannt wird, bist.

Die Erfahrung, die du früher in Papajis Gesellschaft hattest, nanntest du ein Erwachen ,und jetzt bezeichnest du ein bestimmtes Erlebnis als das Selbst oder das Wieder-Erkennen des Selbst. Gibt es einen Unterschied zwischen einem Erwachen und dem Selbst und ist der Prozess stufenweise? Mit anderen Worten, erwacht man erst und verliert es dann vielleicht gewissermaßen, und dann nach einer Weile wird es tiefer und tiefer, bis man das Selbst erkennt. Funktioniert es so?

Das war nicht meine Erfahrung. Ich habe mich viele Jahre vorbereitet, diesen ruhigen Verstand zu erreichen, den sattvigen Zustand . Als ich zu Papaji kam, wußte ich nicht, daß ich in diesem Zustand war. Und doch, ich war fertig, ich war bereit. All die Arbeit war vollständig. Es fehlte nur das Verständnis. Was in der Begegnung mit Papaji geschah, in einem Augenblick, wie ein Blitz kam das Verständnis. Ich nenne dieses Begreifen ein Erwachen zum Selbst. Es geschah vor zehn Jahren, und der Kontakt mit dem Selbst ging nie verloren. Der Boden des Selbst verschwand nie. Jener Moment mit Papaji war eine dramatische Veränderung.. Nichts grundsätzliches ist seither diesem Verstehen zugestoßen, deshalb würde ich es ein Erwachen zum Selbst nennen.
Was geschehen ist seit jener Zeit, wie ich schon erwähnte, viele von Premanandas Themen, Neigungen und Muster des Verstandes kehrten stark zurück. Aber,weil da keine Identifikation war, konnten sie betrachtet werden. In jenen letzten zehn Jahren gibt es weniger und weniger, das den Kontakt mit dem Boden des Selbst stört.

Jetzt, zehn Jahre später, ist die Ausstrahlung oder Klarheit des Selbst größer als es zu jener Zeit war, - nicht zum genauen Zeitpunkt des Erwachens, sondern als zwei oder drei Monate später.

Ist diese zunehmende Ausstrahlung da, weil Du mit den Neigungen oder "Vasanas" umgehen gelernt hast und sie nicht so hervorstechend sind, wie sie mal waren?

Ich erinnere mich, als ich begann, Satsang anzubieten, zu jener Zeit fühlte ich mich selbst sehr ruhig und klar. Also ich fühlte mich bereit, auch wenn ich nach der ursprünglichen Botschaft noch einige Monate widerstand. Nachdem ich mit Satsang begonnen hatte, war da eine enorme Freude und Ausstrahlung nach jedem Treffen. Dann wachte ich am nächsten Tag auf und fühlte mich zurückversetzt in den Schlamm, mit all dem Zeug drumherum. Ich erinnere mich, daß ich fühlte, daß dies nicht richtig sein kann, und daß ich die Treffen nicht machen sollte, daß es irgendwie nicht korrekt war.

Ich war dabei, die Treffen zu stoppen, als ich zufällig Isaac traf, der ein spiritueller Lehrer ist. Ich erzählte es ihm, und er sagte: "Ja, das ist auch meine Erfahrung." Er ermutigte mich, weiterzumachen. Das war vor vier oder fünf Jahren. Seitdem passierte es nicht mehr. In diesen letzten paar Jahren tauchten die verschiedenen starken Neigungen von Premanandas Verstand wieder auf, und durch das Gewahrwerden, daß sie unwirklich sind, verschwanden sie, fielen sie weg.

Wenn Selbst-Erkenntnis so einfach ist, was hält Menschen davon ab, ihr Selbst dauerhaft zu erkennen?

Zuallererst ist die Sache, die Leute davon abhält, daß die Mehrheit der Menschheit vollständig verwickelt sind in ihre Geschichten, und sie leben in einer Gesellschaft, welche diesen Mangel an Bewußtheit unterstützt. Die Medien, ihre Freunde, Familien - jeder trägt insgeheim dazu bei. Die meisten Menschen ziehen während ihres ganzen Lebens niemals auch nur in Betracht, daß es da eine Alternative geben könnte.

In meinem eigenen Fall, als ich über zwanzig war, hatte ich diese Frage, also könntest du sagen, ich hatte nie eine andere Wahl als ein Suchender zu sein. Die Frage mußte beantwortet werden. Aber es scheint, daß die meisten Leute sehr zufrieden sind mit ihren Leben, und sie stellen keine Fragen über Wahrheit. Eine sehr kleine Gruppe von Menschen fragt und wird Suchende, "Suchende nach Wahrheit". Es ist eine winzige Anzahl von Leuten und diese "Sucher nach Wahrheit" finden sich von verschiedenen Lehrern und Lehren angezogen und von verschiedenen Wegen. Einige von ihnen finden die Wahrheit, aber viele verirren sich.

Ich bin der festen Meinung, daß ein Lehrer benötigt wird, um die Wahrheit zu finden. Warum werden einige Menschen zu solch einem Lehrer hingezogen? Ich weiß es nicht. Ich kann wirklich nur das Wort Gnade benutzen. Im Leben einiger Menschen arbeitet die Gnade, um jene zu einem Lehrer zu bringen. Wenn ich mein Leben betrachte, fühle ich mich unglaublich dankbar, daß ich zu Osho gebracht wurde, der mich wunderschön vorbereitete und dann zu Papaji, der nach nur wenigen Wochen in der Lage war, mir diese einfache Wahrheit zu zeigen. Ich fühle mich wirklich gesegnet. Ich kann nicht sagen, daß Premananda das machte, weil er tat es nicht!

Das ist eine ziemlich umstrittene Angelegenheit, diese Sache mit der Gnade. Denn, wenn Gnade geschieht, einfach spontan, ohne daß man etwas dazu beiträgt, besteht da überhaupt die Notwendigkeit für einen spirituellen Schüler, zu praktizieren oder könnte man einfach abwarten bis es geschieht? Gibt es etwas, das ein spirituell Suchender tun kann, um Gnade zu begünstigen?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Die absolute Wahrheit ist, daß du nichts tun kannst, Gnade geschieht. Es gibt Bestimmung, - in meinem eigenen Fall hatte ich vielleicht alles mögliche in meinen vergangenen Leben getan, und irgendwie hatte die Gnade mich auf der Liste, und ich wurde sehr schnell zu den richtigen Plätzen geführt. Wie gesagt, ich würde sagen, daß es Dinge gibt, die man tun kann, die einen auf den Spielplatz bringen. Sei Teil einer spirituellen Gemeinschaft, habe einen spirituellen Meister, er wird dich ermutigen, ruhig zu werden und zu schauen. Und wenn du ruhig wirst, fängst du an, diesen konditionierten Verstand zu begreifen. Du beginnst zu sehen, wie sehr du mit deiner "Geschichte" verhaftet bist.

Wenn du im Satsang eines wahren spirituellen Lehrers bist,- und mit wahr meine ich jemanden, der das Selbst verwirklicht hat -, kannst du nicht umhin zu sehen. In der Gegenwart eines spirituellen Lehrers dieser Größe zu sein, ist niemals bequem. Das ist es, weshalb nur wenige Leute bei einem Lehrer bleiben und zum Beispiel oft mehr Leute nach dem Tod eines Lehrers kommen, als ihm lebendig gegenüberzutreten, - das ist ein übliches Phänomen. Wenn es hinreichende Aufrichtigkeit gibt und die Vorherbestimmung, die Gnade dich unterstützt, dann ist es eine Frage der Zeit, daß du die Wahrheit klar erkennst.

Das bringt uns zu einem anderen umstrittenen Punkt, der Notwendigkeit eines Guru. Ich glaube, alle großen Meister haben auf die Unumgänglichkeit, einen Guru zu haben, hingewiesen. Siehst du das auch so?

Ohne Zweifel. Erstens, wirkliche Auslieferung an den Lehrer erinnert dich immer daran, daß die Wahrheit möglich ist, daß es eine Alternative gibt, eine andere Art zu leben. Er erinnert dich beständig daran. Wenn Du in der Gesellschaft lebst, ohne Kontakt zu einem spirituellen Lehrer oder einer spirituellen Gemeinschaft, dann kehrt die ganze Konditionierung, die ganze Selbst-Hypnose, zurück, und du fokussierst wieder auf "Ich". Wenn du in der Gegenwart eines Lehrers bist, nur einfach da bist, liegt der Focus auf dem Selbst. Diese ständige Erinnerung, Ermahnung ist sehr wertvoll. Zweitens, der Meister sorgt für den Spiegel. Obwohl wir natürlich viele unserer Themen und Neigungen erkennen, einige der schwierigeren und tiefschürfenderen Probleme kann man oft selbst nicht sehen und braucht einen Spiegel. Drittens, der Meister liefert diese enorme Fülle an bedingungsloser Liebe. In dieser Liebe hast du die Nahrung, die du brauchst, um diese Dinge anzuschauen, welche schmerzlich und schwierig sein können. Also ist die Liebe des Meisters sehr wichtig.
Der Meister hat noch zwei wichtige Aufgaben. Er kennt den Zeitpunkt, wenn die Frucht reif ist und bereit zu fallen; er kann sie im richtigen Moment abschlagen. In der Zen- Tradition gibt es viele Geschichten darüber, wie der Meister dem Schüler im richtigen Moment etwas Heftiges, Unerhörtes antut und der Schüler aufwacht. Das Bild vom Zen-Meister mit seinem Stock. Letztlich bestätigt der Meister, daß das Erwachen tatsächlich geschehen ist.

Wie siehst Du Dich selbst mit Deinen Schülern oder mit Menschen, die ihre Zeit mit Dir verbringen? Betrachtest Du dich selbst als Guru, Lehrer oder Freund?

Ich verstehe mich zuerst als Freund. Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen Lehrer und Schüler. Es gibt ein winzig kleines Verständnis, daß der Lehrer hat und der Schüler nicht. Es geht mir am besten als Freund. Der Guru ist von selbst da, weil ein Freund kommt, der an der Wahrheit interessiert ist. Er kommt zu jemand, der fähig ist, ihm die Wahrheit zu zeigen, also ist natürlich der Guru auch da. Guru meint, jemand, der Licht in die Dunkelheit bringt.

Ich habe eine letzte Frage, und es ist wiederum eine sehr schwierige. Kann das Selbst erfahren werden? Ist es eine Erfahrung oder ist es ein Verständnis? Mit anderen Worten, Erfahrungen kommen und gehen, aber das Selbst kommt oder geht nie.

Wenn das Ich da ist, kann das Selbst nicht da sein, und ich kann das Selbst nicht erfahren. Jedoch kann das Ich verschwinden und für einen Moment enthüllt sich das Selbst. Wenn der Verstand still oder ruhig ist, kann das Ich verschwinden. Später kann der Verstand dann diese "Erfahrung des Selbst" in Besitz nehmen.

Ich muß sagen,wenn das Selbst erfahren wurde, ist es noch im Verstand. Es ist der Verstand, der das Selbst erfährt. Was ich meine, wenn ich sage "ein Erwachen zum Selbst", ist etwas anderes, denn da ist ein tiefes, inneres Wissen: "Ich bin das Selbst". In der Tat, da gibt es kein Ich mehr, das Selbst zu erkennen. Da ist nur Selbst - Sein. Es ist einfach gegenwärtig.

Ich glaube, fast jeder Mensch hat das Selbst schon erfahren. Ich glaube, das ist ein häufiges Ereignis, daß Menschen ihr Selbst erlebten. Zum Beispiel, du wanderst im Wald, die Sonne scheint, und ein Vogel fliegt über dir, und der Schatten des Vogels streift einen Fels, und du siehst den Schatten für einen Moment. In diesem Augenblick bleibt der Verstand stehen, und du wirst der Hitze der Sonne gewahr, des Duftes des Kiefernwaldes und des Schattens, alles in einem Augenblick. Du bist vollkommen gegenwärtig, und das Selbst ist enthüllt. Da ist dieses Gefühl von ungeheurer Ausdehnung und Frieden. Dies ist das Selbst.

Ich denke, Leute begegnen häufig ihrem Selbst, aber manchmal geht es sehr schnell vorbei. Die meisten Leute wissen gar nicht, daß sie ihr Selbst erfahren haben, weil niemand ihnen sagte: "Dies ist das Selbst". Obwohl die Erfahrung häufig ist, führt sie Menschen nicht notwendigerweise zu einem spirituellen Leben.

Einige Menschen haben sehr starke Begegnungen mit dem Selbst. Sie können vielleicht Stunden oder sogar tagelang nicht normal funktionieren, und es ist so gewaltig, daß es sie dazu treibt, loszugehen und herauszufinden: "Was ist das?". Eine Frau in Sydney war eines Tages in einem Selbstbedienungsmarkt, um ihre Einkäufe zu erledigen. Plötzlich fühlte sie, wie sie sich ausdehnte und so groß wie der Supermarkt wurde. Sie war ganz bestürzt darüber. Sie fühlte sich unglaublich friedvoll und auf eine Art entzückt, aber andererseits fühlte sie sich so anders, - sie konnte sich selbst nicht mehr finden. Das alte Selbst, die Geschichte, - sie konnte ihre Geschichte nicht mehr finden. Davon war sie sehr beunruhigt und durcheinander, und im Grunde wünschte sie, zum Normalen zurückzukehren.

Jemand brachte sie zu mir, und ich konnte sofort erkennen, daß sie das Selbst erlebte. Sie war das Selbst. Wir sprachen miteinander, und ich versuchte, sie zu ermutigen, es einfach zu akzeptieren, wie es war. Aber innerhalb einer Woche, - ihr Wunsch normal und die Geschichte zu sein, war so stark, - kehrte das eingeschränkte Selbst zurück.

Das war eine längere Begegnung mit dem Selbst. In der Tat, es kann das Leben vollständig verändern. Das Selbst zu sein, paßt mit der alten Geschichte nicht zusammen, so drängt es uns danach, herauszufinden: "Was war das?", "War ich dabei, verrückt zu werden?" "Brauche ich medizinische Hilfe?", "Brauche ich einen spirituellen Lehrer?".

Kann dieses Erleben jederzeit wiedererlangt werden?

Du kannst diese Erfahrung nicht zurückbekommen oder danach suchen, aber um dieses Erlebnis zu verstehen, kann es dich zu einem Meister führen. Oder der Meister kommt in diesem Moment. In dem Falle dieser Frau, wurde sie meine Schülerin. Für ein oder zwei Jahre verband sie sich mit mir, und dann ging sie weiter zu anderen Lehrern. In ihrem Fall war es einen radikale Veränderung ihres Lebens, es hörte nie auf.

ERWACHEN

John David (vormals Premananda) spricht mit Eddie Blatte
Januar 2003 - Tiruvannamalai, Indien


John David
(vormals Premananda)

Bilder

Satsang

Erwachen

Lebensweg

Über Erleuchtung

Mehr Interviews


Contact

HOMEPAGE

 

War dein Erwachen in Lucknow, Indien?

Ja, ich war noch mit meiner russischen Frau zusammen. Wir waren seit ungefähr zwei Jahren zusammen. Sie und ich reisten in den Norden Indiens. Zu der Zeit war unser Verhältnis etwas wackelig, aber wir beide waren interessiert daran, diesen Meister zu sehen. Wir kamen etwa im April 1992 an. Es war unglaublich heiß, und wir hatten keine Ahnung, wie wir den Meister finden könnten. Wir setzten uns auf eine Fahrrad-Rickshaw und sagten dem Mann, er solle uns zu einem bestimmten Viertel von Lucknow bringen. Er fuhr eine Ewigkeit, es schien nie aufzuhören, und als wir es nicht mehr aushielten und heiß und verschwitzt waren und er halbtot vom Radfahren, sagte ich "Stop, wir sehen nichts mehr, also halt an!" Und da war dieser unglaubliche Moment. Als ich von der Rickshaw stieg, fiel mein Blick auf den Namen am Tor des Hauses, und da stand "Poonja". Ich dachte, "Mensch! Das muß der Ort sein!".
Eine Sekunde später, ich starrte noch das Haus an, kam Poonjaji selbst auf das Tor zu, und ich lief gerade von der anderen Seite des Tores direkt auf ihn zu. Wir trafen uns ganz natürlich beim Tor. Bevor ich zu Atem kam oder meinen Geist sammeln konnte, es war alles so plötzlich geschehen, sagte er zu mir, "Wo seid ihr abgestiegen? Wo sind eure Taschen?" Was kann ich tun, um zu helfen?" So hatten wir diese wunderschöne Begegnung, die vollkommen unerwartet und spontan war. Also ließ ich mich da nieder und ging jeden Tag zu seinen Satsangs.

Kannst Du die Art der Beziehung beschreiben, die Du zu Papaji hattest? Was ist das Wesentliche der Zeit, die Du mit ihm verbrachtest?

Da war eine riesige Offenheit, Verfügbarkeit. Osho war der Großmeister, aber ziemlich weit weg. Ich hatte in den 15 Jahren, die ich mit ihm war, nie ein persönliches Gespräch mit ihm. Ich hatte einige persönliche Treffen, aber sie waren immer distanziert. Und plötzlich Poonjaji, er war sehr erreichbar, es war sehr persönlich. Ich erinnere mich, nachdem ich erst einige Tage da war, ging ich an einem Sonntag zu seinem Haus, zum Mittagessen mit vielleicht zehn anderen Leuten in seinem Wohnzimmer. Er saß da und war ungeheuerlich, fast schockierend offen und verfügbar. Schockierend, weil seine Unmittelbarkeit mich damit konfrontierte: "Warum bin ich hier?". Ich mußte wirklich hinsehen und fragen: "Was mache ich hier?".

In den ersten drei Wochen saß ich täglich mit ihm im Satsang, und drei Mal fragte ich etwas. Damals schrieb man die Fragen auf einen Zettel und gab es vor dem Satsang ab,und dann öffnete er den Brief, und du gingst vor und saßt mit ihm. Also hatte ich drei schöne Begegnungen.

Bei dem dritten Treffen geschah etwas, das schwer zu beschreiben ist. Man könnte sagen, daß ich mit erstaunlicher Klarheit sah, was ich mit meinem Freund nicht hatte erkennen können, und was ich bis zu diesem Moment niemals verstand. In den fünfzehn oder zwanzig Jahren spiritueller Suche hatte ich dies nie gesehen. In jenem dritten Treffen zeigte mir Papaji mit großartiger Endgültigkeit "Wer ich war", es war das Ende des Weges. Zur selben Zeit, als dieses Verständnis geschah, erlebte ich ein gewaltiges energetisches Phänomen. Ich erinnere mich, daß ich vor ihm saß und plötzlich meine Augen nicht öffnen konnte. Es war körperlich unmöglich, meine Augen zu öffnen. Nach innen schauend, war da nur Weiße, und ich konnte die Person, Premananda genannt, nicht finden. An seine Stelle waren Weiße, Leere getreten. Es hielt ziemlich lange an. An einem gewissen Punkt öffnete ich meine Augen, und Papaji begann, mir einfache Fragen zu stellen, später verstand ich, das war seine Art, mich aus dem Phänomen zurück in den Raum zu bringen.

Auf sehr sensible Weise brachte er mich dazu, mich neben ihn zu setzen und gab mir Wasser zu trinken und beruhigte mich; wenn du so willst, brachte er mich zur Erde zurück. Als ich nach innen schaute, war es, als sei ich in diesen riesigen Raum verschwunden, und ich hatte das Gefühl, als bewege ich mich spiralförmig abwärts in die Leere, ins Nichts. Das Selbst hatte sich enthüllt, und es zeigte sich, daß dies meine wahre Natur war, ich kannte sie bereits.

Würdest Du dieses Erlebnis als ein Erwachen beschreiben?

Ja, diese Begegnung markiert eine vollständige Veränderung in meinem Leben. Es war, als ob auf der Stelle die Identifikation mit Premananda und der Geschichte von Premananda völlig abgeschnitten sei. Tatsächlich verschwand Premananda für einige Tage oder Wochen völlig (ich erinnere mich nicht). Von einem Augenblick zum nächsten gab es eine riesige Veränderung, die ich nur als Erwachen zum Selbst bezeichnen kann.

&

Nach deiner Erfahrung bliebst Du weiter in Papajis Gesellschaft, für ungefähr fünf Jahre? Während andere ähnliche "Erwachen`s"erfahrungen hatten und danach gingen, entschiedst Du Dich, in seiner Gesellschaft zu bleiben?

Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich nicht. Doch ich glaube, es gab gar keine Frage, zu gehen. In meinem persönlichen Fall, war da ganz einfach keine Frage zu gehen. Ich war da, und es gab keine Frage.
In den nächsten Monaten geschahen viele spirituelle und energetische Phänomene, und ich war einfach gegenwärtig. Dann ließ die Hitze der Veränderung nach, und ich konnte wieder auf gewöhnlichere Weise funktionieren. Es gab wieder einen gewissen Kontakt zu Premananda. An diesem Punkt entschied ich, ein Haus zu mieten und mich niederzulassen,und meine Dinge von Puna zu holen. Da war so viel Liebe für diesen Meister und seine Gemeinschaft, es war mir nicht möglich zu gehen.

Schließlich verließ Papaji seinen Körper. War das, als Du Indien verließest?

Nein, so war es nicht. Vorher hatte er mich gebeten, ein Gästehaus zu betreiben und nach seinen Gästen zu schauen, also öffnete ich ein ziemlich großes Gästehaus, möblierte es und wurde der Gastgeber für Leute, die Papaji und die Gemeinschaft besuchten. Ich machte das jahrelang, und während dieser Zeit baute ich eine tiefe innere Beziehung zu Papaji auf. Ich verbrachte körperlich nicht viel Zeit in seiner Gegenwart, sondern es gab einen sehr starken inneren Dialog. Während dieser Periode kam alles von Premananda zurück. All seine Probleme und vasanas (Zu- und Abneigungen des Verstandes) kamen zurück, um angeschaut zu werden.

Ich stellte fest, daß ich sie leidenschaftslos anschauen konnte, als ob ich nicht mehr so verhaftet mit ihnen war oder mit diesem Typ Premananda.

Also mit Papajis Hilfe, durch den inneren Dialog, war diese Zeit, als ich das Gästehaus betrieb, auch eine Zeit, meinen Verstand zu reinigen. Nach über vier Jahren gab es die Botschaft, zu gehen, der ich jedoch stark widerstand. Premananda wollte nicht abreisen. Ich hatte es bequem. Da war diese große Liebesblase, es war einfach schwer zu gehen. Schließlich, als die Dinge sich gegen mich verschworen, um es klarer zu machen, daß ich gehen sollte, reiste ich ab. Ich hatte die Wahl, nach Australien zu gehen, wo ich noch nie gewesen war oder zurück nach England. Ich konnte mich nicht entscheiden, aber schließlich war ich auf dem Weg nach Australien. Ich lebte fünf Jahre dort, bis Ende 2001.

LEBENSWEG

John David (vormals Premananda) spricht mit Eddie Blatte
Januar 2003 - Tiruvannamalai, Indien


John David
(vormals Premananda)

Bilder

Satsang

Erwachen

Lebensweg

Über Erleuchtung

Mehr Interviews


Contact

HOMEPAGE

 

Vielleicht können wir damit beginnen, daß Du Dein früheres Leben in England beschreibst und wie es kam, daß Du Dich für Spiritualität interessiertest?

Ich bin im Dezember 1944 in Bangor, Nord Wales, im Vereinigten Königreich geboren. Die ersten Lebensjahre, die ich selbstverständlich nicht erinnere, verbrachte ich mit meiner Mutter in einem kleinen Landhaus an einem weitläufigen Sandstrand. Zu dieser Zeit ging der zweite Weltkrieg zu Ende, und mein Vater, der Arzt in der Britischen Armee war, befand sich in Deutschland.

In den ersten Lebensjahren hatte ich gar keinen Kontakt zu meinem Vater, dafür sehr engen Kontakt mit meiner Mutter, die ich als eine sehr sanfte Person erinnere. Die Fotografien aus dieser Zeit zeigen mich als ein niedliches blondgelocktes Baby und meine Mutter als eine ganz reizend aussehende Frau. Ich erinnere, daß es eine sehr glückliche Zeit für mich war, gleichzeitig gab es wohl auch eine Bewußtheit der gefährlichen Kriegssituation. Mein Vater kehrte zurück, als ich ungefähr ein Jahr alt war, und Fotografien zeigen ihn als einen jungen,- er war Anfang Dreißig, lächelnden, typischen Mittelstand-Arzt.
Kurz danach zog die Familie nach Ipswich, einer kleinen Stadt etwa hundert Kilometernordöstlich von London, - eine sehr ländliche Stadt. Wir hatten ein Haus am Stadtrand in der Natur, und kurz nachdem wir umgezogen waren, wurden mein Bruder und meine Schwester geboren und später noch ein Bruder, der immer der "kleine Bruder" blieb. Also habe ich zwei Brüder und eine Schwester. Wir lebten zusammen in dem Haus über fünfzehn Jahre, und ich erlebte dort sowohl meine Kindheit als auch die Jugendzeit.
Es war ein sehr typisches Mittelstandshaus. Ich wuchs in den fünfziger Jahren auf. Materiell gesehen war es recht einfach, doch sowie ich zurückschaue auf diese Zeit, gibt es immer nur glückliche Erinnerungen. Meine Kindheit war eine Mischung des Einflußes meiner Mutter, die Hausfrau war und unser Spiel ermutigte, sie gab uns eine Menge Freiheit und Raum zum spielen, und dem Einfluß meines Vaters. Mein Vater war tagsüber außer Haus. Er war eine Autorität und ziemlich intellektuell. Bei den Mahlzeiten wirkte er oft mit seinen Gedanken sehr weit weg. Unsere Familie war sehr ein sehr festes Gefüge, wir saßen zusammen bei Tisch und hatten sehr konventionelle Mahlzeiten miteinander. Ich erinnere mich, daß ich eine Handvoll Freunde in der Gegend hatte, und weil wir auf dem Land wohnten, konnten wir rausgehen und draußen unsere Abenteuer erleben.

Also, schätze ich, wenn wir zu den sechziger Jahren kommen, war das die Zeit, als Du zur Universität gingst? War das in London?

Ja, als ich zwanzig war, verließ ich die Familie und zog nach London und studierte Bauwesen. Diese Wahl war willkürlich, ich hatte wirklich keine Idee, was ich tun wollte. Ich wurde ein beeidigter Bauingenieur für Hoch und Tiefbau. Doch in dem Moment fing ich an, ein Gefühl dafür zu bekommen, was meine wahren Interessen waren und was ich tun wollte.
Ich war ungefähr dreiundzwanzig Jahre. Ich erkannte, daß Bauwesen mir viel zu mechanisch und technisch war. Ich bekam eine Arbeit in einer Firma, die eine Mischung aus Ingenieuren und Architekten beschäftigte. Es ist eine bekannte Firma , die das Opernhaus in Sydney und das Zentrum Pompidou in Paris entworfen hat. Es warein großes spannendes, internationales Unternehmen. Ich begann etwa 1967 dort zu arbeiten. Die Arbeit war herausfordernd und interessant, doch bereits von den ersten Tagen an erkannte ich, daß es nicht mein Ding war. Ich bekam einen Riesenschock, als ich zum ersten Treffen der Ingenieure ging und mich umsah im Raum und erkannte, daß ich am falschen Platz war. Ich fühlte nicht die kleinste Verbindung mit diesen Leuten.

Fühltest Du, daß etwas fehlt, das Du finden mußt?

Bereits seit dem Ende meiner Jugendzeit hatte ich eine sehr starke Frage. Ich erinnere, als Jugendlicher saß ich oft an den späten Abenden noch mit meinem Vater, und wir hatten lange Unterhaltungen und Streitgespräche bis weit in die Nacht über die Welt und das Leben und Philosophien. Ich erinnere jene Debatten als eine Erkundung des Lebens.

Ich beschäftigte mich sehr mit dem Verständnis von Leben und Mensch. Ohne all dieseGespräche blieb ich mit einer Frage allein zurück. Es war eine sehr drängende Frage, die immer stärker wurde zu Beginn meiner zwanziger Jahre, jedoch wußte ich nicht, was für eine Frage es war, und ich hatte keine Ahnung, was die Antwort sein könnte. Die Frage schien sich darum zu drehen, daß ich mich nicht richtig einfügte, nicht wirklich dazugehörte, - ich fühlte nicht "dies ist mein Leben und was ich sein will". Als ich Ingenieur wurde und erkannte, daß ich diesen Beruf nicht will, durchlebte ich einige Jahre voll Chaos und Verwirrung, während ich verzweifelt nach etwas Ausschau hielt, wohin ich besser paßte.

Und das hat Dich schließlich dahin geführt, Deine Arbeit aufzugeben und die Insel zu verlassen und zu reisen?

Was passierte war, daß ich endlich, nach einigen Whiskies, meine Arbeit kündigte und zurück zur Universität ging, um Architektur zu studieren. Ich ging als ein reifer Student, ich war älter als die meisten anderen Studenten. Ich besuchte eine wunderschöne Architekturschule. Es war eine unabhängige Schule, die interessante Lehrer aus der ganzen Welt anzog.. Der Lehrplan drehte sich nicht nur um Architektur, auch um viele andere Themen in Bezug zur Architektur und menschlichen Zivilisation und Kultur. Ich absolvierte diese Hochschule als Architekt, und mit der Sehnsucht, mich selbst zu entdecken und meine Beziehung zum Leben - "Was ist Leben, was ist es überhaupt?" Diese Frage war sehr drängend geworden.

Als ich die Hochschule beendete, fühlte ich, daß ich im alten Trott lebte, soweit das mein tägliches Leben in London betraf. Ich hatte einige japanische Architekten getroffen, und sie waren sehr ermutigend und fragten mich, ob ich nach Japan kommen wolle. Ohne groß zu überlegen, entschied ich, für drei Monate nach Japan zu gehen. Ich ging nach Japan und bekam eine Arbeit in einem Architektenbüro in Tokyo, und sofort ging ich durch einen gewaltigen Kulturschock. Ich mußte meine abgehobene englische Mittelstandserziehung konfrontieren, - sehr traditionell, förmlich, gesetzt und steif.

Damals trug ich eine goldgerahmte Brille, einen Spitzbart und weiße Anzüge. Ich hatte ein Yuppie-Image, das tatsächlich sehr gut mit den Japanern zusammenfiel. Sie waren sehr entgegenkommend zu mir. Ich traf eine Menge interessanter Leute. Aber diese innere Frage wurde noch drängender. Ich durchlebte eine "dunkle Nacht der Seele". Es war nicht nur eine Nacht, es hielt mehrere Jahre an. Ich blieb in Japan. Ich verschob immer wieder meine Abreise, teils, weil ich von der so anderen Kultur gefesselt war, aber hauptsächlich, weil ich vertieft in einen inneren Dialog war, ausgelöst dadurch, daß ich mich in einer fremden Kultur befand. Es war sehr gut, daß ich in Japan war. Obwohl ich viele Freunde hatte, war ich allein. Ich traf eine japanische Frau (eine Modedesignerin), die später meine Ehefrau wurde.

Hatte sie etwas zu tun mit Deinem nächsten Schritt auf dem spirituellen Pfad und damit, einen Lehrer zu finden?

Nicht wirklich, nein.

Also wie geschah das dann?

Das geschah auf ganz erstaunliche Weise. Obwohl ich schon achtundzwanzig Jahre alt war, hatte ich immer noch keine Ahnung vom spirituellen Leben. Ich begann mit Akupunktur und Shiatsu, also bewegte ich mich in eine spirituelle Richtung, aber nicht bewußt. Plötzlich übernahm das die Existenz. Ich hatte es eingerichtet, einen Architekten zu treffen, um über Japanische Architektur zu sprechen. Er war ein sehr interessanter Mann. Er war ein Deutscher und Professor bei M.I.T. in Boston, Amerika, und er lebte mit seiner japanischen Ehefrau in Kyoto. Ich war ihm vorgestellt worden, weil er ein Experte für Japanische Architektur war, und ich traf eine Verabredung mit ihm und besuchte ihn.

In der Nacht redeten wir fast nichts über Architektur. Er und seine Frau bereiteten ein ausgezeichnetes Abendessen. Eine seiner Studenten, eine chinesische Frau, war auch da, und wir setzten uns alle nieder zum Essen in ihrem traditionellen japanischen Haus. Sie begannen über Tantra, Yoga und Meditation zu sprechen. Und all das war völlständig neu für mich. Ich muß einiges Interesse gezeigt haben, denn wir redeten die ganze Nacht durch. Erst in der Morgendämmerung, als es bereits heller wurde, schlug jemand vor, schlafen zu gehen!
Dieses Gespräch in jener Nacht war der große Wendepunkt in meinem Leben. Auf eine Weise veränderte es vollständig mein Leben, obwohl ich die Bedeutung nicht wirklich verstand damals. Als sie mir am nächsten Morgen eine Kassette ihres spirituellen Lehrers, Rajneesh, vorspielten, war ich nicht richtig interessiert. Ich sagte zu ihnen: "Es tut mir leid, es war eine sehr nette Nacht, aber ich glaube nicht, daß das etwas für mich ist." Ich erinnere, wie wir das Haus verließen, und sie sagten, "Du bist absolut bereit dafür."

Dann nahm das Leben seinen Lauf. Es war wirklich verblüffend. Ich hatte alles arrangiert, Yoshiko, die meine Frau geworden war, mit nach England zu nehmen, um Weihnachten bei meinen Eltern und Freunden zu sein. Danach reisten wir nach Paris für eine Woche Urlaub. Das Flugzeug zurück nach Japan kam wegen irgendwelcher technischer Probleme nicht an, und die Fluggesellschaft brachte uns für eine Nacht in einem Hotel unter. Am nächsten Morgen erhielten wir eine neue Flugkarte und stiegen ins Flugzeug, es war Air India. Wir flogen über Delhi nach Tokyo zurück. Als wir uns Delhi näherten, sagte ich plötzlich zu Yoshiko, "Also, warum steigen wir nicht in Delhi für ein paar Tage aus und schauen uns Indien an?" Wir entschieden uns, der Eingebung des Augenblicks folgend, es zu tun.
Am nächsten Morgen ging ich zum Büro der Fluggesellschaft, um unseren Flug bestätigen zu lassen, und erstaunlicherweise sagten sie mir, daß wir reguläre Flugkarten (keine eingeschränkten) hätten, und wenn wir wollten, könnten wir ohne zusätzliche Kosten durch Indien fliegen. Also sagte ich zu meiner zukünftigen Frau: "Gut, warum machen wir nicht jetzt unsere Flitterwochen? Wir können durch Indien reisen und uns all diese Orte ansehen, und dann kehren wir ein paar Wochen später nach Japan zurück."

Wir waren uns einig und besuchten all diese interessanten Orte und hatten eine herrliche Zeit.

Irgendwann kamen wir nach Bombay, und wir erkannten, daß wir ganz in der Nähe des Ashrams von diesem deutschen Professor, den ich in Kyoto getroffen hatte, waren. Spontan entschieden wir uns, den Ashram zu besichtigen. Wir nahmen den Zug nach Puna und kamen zum Rajneesh Ashram. Als ich durch das Tor ging, welches "Das torlose Tor" genannt wurde, fühlte ich mich umgehend zuhause. Es war unglaublich. Ich hatte immer gefühlt, daß ich nirgendwo hineingehöre, und auf einmal spürte ich, dies ist mein Platz, ich war Zuhause. Das Gefühl war sehr ergreifend, stark, kraftvoll, und es gab keinen Grund dafür. Es war, als ob die Frage, die ich seit zehn Jahren mit mir herumtrug, plötzlich beantwortet sei. Es war eine erstaunliche Erfahrung.

Wir gingen zu den Morgenvorträgen und hörten Rajneesh, der Osho wurde, sprechen und nahmen an einigen der Workshops und Seminare des Ashram teil. Was nur ein paarTage werden sollten, daraus wurden zwei Wochen. In dieser Zeit verlor ich alle meine Aufträge in Japan, - japanische Unternehmen mögen es nicht, wenn Du mit einem Monat Verspätung auftauchst. Ich wußte, daß dies passieren würde, aber irgendwie war mir alles egal, weil der Augenblick so kraftvoll war. Ungeachtet dessen, ich mußte einfach dort bleiben. Das war die große Veränderung in meinem Leben.

Hast Du eine Beziehung zu Osho entwickelt und wurdest Du sein Anhänger?

Nicht zu dieser Zeit. Es war erst ein Anfang. Ich hatte noch eine Menge Fragen, denn ich war ein Mensch, der sehr in seinem Kopf war. Wir kehrten nach Japan zurück und entschieden beide, daß wir ein Jahr in Japan bleiben würden, um Geld zu verdienen, und dann, auf unserem Weg nach England, wo wir unser neues Eheleben planten, in diesen Ashram zurückkehren würden.

Wir heirateten, und ihre Familie gab ihr etwas Geld, es war exakt der gleiche Betrag, den ich in dem einen Jahr verdient hatte. Also hatten wir beide Geld, und wir reisten von Japan durch China und Asien. Wir gingen auf eine wunderschöne Reise und endeten im Puna Ashram. Wir fanden einen hübschen Platz zum leben und ließen uns nieder. Aber eigentlich waren wir ganz klar auf dem Weg nach England, um ein neues Leben zu beginnen.

Was war mit Osho, daß es Dich so stark zu ihm hinzog, daß Du zurückkehrtest? War es der Mann oder seine Lehren?

Ich glaube, es war eine Mischung. Da war ein gewaltiges Gefühl von Erregung, Liebe, Verrücktheit, Wunder und Schönheit zu dieser Zeit in diesen Ashram. Es war 1976 und der Beginn des Ashrams. Osho selbst war sehr jung, und seine Vorträge sehr dynamisch. Er sprach über Dinge, über die ich niemals wirklich nachgedacht hatte, und er war herausfordernd in Bezug auf alles, woran ich glaubte. Er wies sehr stark in eine andere Richtung, auf eine andere Möglichkeit. Er selbst repräsentierte die Machbarkeit einer inneren Verwandlung, die mich und meine Beziehung zur Welt radikal verändern würde. Und das war sehr anziehend.

Also gab es etwas Unbefriedigendes in der Weise, wie Du lebtest?

Obwohl mein Familienleben ein glückliches gewesen war, als ich das Zuhause verließ und in die weite Welt ging, war es eine Welt, mit der ich mich nicht so leicht verbinden konnte oder teilweise auch nicht wollte. Und hier im Ashram fand ich alle Bestandteile, die mir die Antwort auf mein Dilemma schienen.

Wie lange warst Du mit Osho? Bliebst Du als ein Anhänger?

Nach wenigen Monaten wurde ich Sannyasin, das bedeutet, ich wurde direkt von Osho eingeweiht, und er gab mir einen neuen Namen und eine Mala zu tragen. Ich war Teil der Gemeinschaft und leitete Meditationen im Ashram. Ich war schon Künstler, also waren meine engsten Freunde Maler. Es gab eine Malgruppe dort.

Yoshiko blieb auch. Sie hatte einigen Widerstand, weil sie fühlte, wie sich meine Energie von ihr weg bewegte. Es war, als hätte ich eine andere Geliebte, aber meine Geliebte war in Wirklichkeit der Mann, der Meister genannt wurde. Sie sträubte sich gegen diese Situation und wäre froh gewesen, wenn wir abgereist wären. Doch ein paar Monate nach mir, wurde auch sie Sannyasin und blieb.

Wir blieben ungefähr ein Jahr zusammen, dann begegnete sie einem Mann und reiste ab, sie ging mit ihm nach Europa zurück. Ich entschied, im Ashram zu bleiben. Ich blieb weitere sechs Monate. Ich war insgesamt über anderthalb Jahre dort und wäre länger geblieben, aber Osho reiste ab und flog nach Amerika. Zu dieser Zeit hatte ich keine Wahl, also ging ich nach England zurück.

Schließlich starb Osho. Wolltest oder brauchtest Du zu dieser Zeit einen anderen Guru?

Ich verbrachte sechs Monate mit der Osho Gemeinschaft in Oregon, U.S.A. Danach verbrachte ich noch ein Jahr in einem Osho Zentrum in Kalifornien. Dann, als er zurückging nach Indien, folgte ich und war wieder Teil des Ashram in Puna und war da für etwa drei Jahre. Ich hatte keinen Gedanken daran, nach einem anderen Meister auszuschauen. Da gab es keine Frage. Ich war völlig auf Osho konzentriert.

Ich bot zu jener Zeit intensive Körperarbeit an, und vorher hatte ich einige von Osho`s Büchern herausgegeben. Ich war auch Maler gewesen und Architekt und arbeitete in der Architektur-Abteilung des Ashram.

Plötzlich verließ Osho seinen Körper. Es war nicht vollkommen unerwartet, da er seit einem Jahr krank gewesen war, doch als es passierte, war es ein Schock. Ich glaube, ich blieb noch für ein Jahr, nachdem er seinen Körper verließ, und es war eine intensive und schöne Zeit, es geschah sehr viel. Ich hatte noch immer nicht die Idee, nach einem anderen Meister Ausschau zu halten.

Ich traf eine russische Frau im Ashram, die Psychologie an der Moskauer Universität studierte, und wir wurden Geliebte. Sie wollte die Körperarbeit, die ich anleitete, an ihrer Universität vorstellen. Sie lud mich ein, nach Rußland zu gehen. Die Person, die diese spezielle Art von Körperarbeit entwickelt hatte, ermutigte mich, der Einladung zu folgen.

Ich reiste in die Sowjetunion, das war vor 14 Jahren etwa, und nichts lief wie geplant. Es war kurz bevor die Sowjetunion zusammenbrach und Rußland daraus wurde. Es war eine sehr interessante Zeit, da das ganze kommunistische System zerbröselte, und nichts funktionierte. Die Leute hatten sehr wenig Lebensmittel, und es gab keine Waren mehr in den Geschäften. Nur wenige arbeiteten. Es gab kaum noch etwas, das normal lief. Das Land wankte am Rande des Zusammenbruchs. Die Leute waren wirklich ausgehungert nach Kontakt mit Westleuten und spirituellen Dingen.

Ich wurde durch eine Reihe von erstaunlichen Zufällen eine Art reisender Guru. Ich hatte das nicht geplant, aber ich fand mich jedes Wochenende dabei, Meditationsworkshops zu geben und die Heilkünste, die ich kannte, zu unterrichten und lange Vorträge zu halten. Bis zu hundert Leuten erschienen, sie schienen aus dem Nichts aufzutauchen. Vollkommen illegal reiste ich durch die Sowjetunion. Ich reiste von Litauen im Westen den ganzen Weg nach Taschkent im Osten. Ich reiste gewaltige Entfernungen mit Zügen, sehr billig. Es gab eine kleine Grupe von Leuten, die mit mir reisten. Es waren wundervolle sechs Monate. Ich bekam einen Geschmack davon, wie es ist, die Wahrheit mit anderen Menschen zu teilen, und ich mochte es sehr.

Zog Dich noch etwas nach Indien zurück?

Ich verließ die Sowjetunion mit der Frau, die meine Geliebte, meine Dolmetscherin und Freundin geworden war, wir zogen nach England. Zu dieser Zeit war ich die letzten fünf Jahre von Yoshiko getrennt gewesen, obwohl wir noch immer Freunde waren. Die Idee war, daß meine russische Freundin und ich ein gemeinsames Leben in England beginnen würden. Doch ich hatte so ein Gefühl, daß die spirituelle Reise noch nicht vollständig war. Das Gefühl war verschieden von dem, das ich zuvor hatte. Es gab ein Gefühl von Unvollständigkeit. Ich war noch nicht bereit, mich in England niederzulassen und fühlte den Sog, nach Indien zurückzugehen. Ich suchte immer noch nicht nach einem Meister. Ich wollte mir den letzten Schliff holen und wußte nicht, daß es dazu eines weiteren Meisters bedurfte. Ich ging also wieder zu dem selben Ashram in Puna.

Osho war seit über einem Jahr gegangen, und ich ließ mich dort nieder und machte weiter mit meiner eigenen inneren Erforschung. Ich erreichte einen Zustand von innerem Frieden, fühlte mich zuhause in Meditation und spürte eine starke innere Sammlung. Also ich war wirklich nicht unzufrieden, es war eine Art "okay".

Ich hätte vermutlich so weitermachen können, aber plötzlich kam ein frischer Wind auf, und ich hörte etwas über einen anderen Lehrer. Der Name dieses Lehrers war Poonjaji. Ich hatte ein Interview mit ihm gelesen und auch ein Video gesehen. Aber der wahre Auslöser war, daß ich anfing, Leute wahrzunehmen, die von einem Besuch bei diesem Poonjaji zurückkamen. Ich sah eine erstaunliche Verwandlung bei diesen Leuten. Da war ein Leuchten und ein inneres Lächeln in ihnen, das mich berührte.

Das Gefühl war anders als das, was ich zuvor innerlich hatte. Ein Freund versuchte mir klarzumachen, daß wenn ich es begreifen und loslassen könnte, wäre ich frei. Er war so begeistert von seiner Erkenntnis und seinem Verstehen. Das war sehr unerwartet und aufregend, denn ich hatte mir Erleuchtung immer als etwas Entferntes vorgestellt und unerreichbar, und auf einmal erzählte mir dieser enge Freund voller Begeisterung, daß es sofort erreichbar war. Alles, was ich tun mußte, war, diese einfache Wahrheit zu sehen, die ich noch nicht sah. Er versuchte, es mir zu erklären, doch ich konnte ihm nicht folgen. Aber er gab mir den letzten Anstoß, loszugehen und Papaji zu sehen.

John David
Satsang
S atTV
Open Sky Press
www.opensky.international
Open Sky House
Seminarhaus
FlowFineArt
Events