BEGEGNUNG
mit John David (vormals Premananda)

ÜBER ERLEUCHTUNG

John David (vormals Premananda) im Gespräch mit Madukar Thompson
Juni 1994 - Lucknow, Indien.


John David
(vormals Premananda)

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Zu dieser Zeit ist Premananda seit zwei Jahren, - nach seinem Erwachen (siehe website Premananda), in der Gemeinschaft von Papaji. Er blieb weiterhin Teil der Gemeinschaft für drei Jahre, ohne Fragen zu stellen. Er betrieb ein Gästehaus für Besucher und stellte die Abstrakten Gemälde her, die auf seiner website (siehe Art Gallery, dt. Kunstgalerie) ausgestellt sind. Er führte die Interviews für sein Buch "Amazing Grace" (Unbegreifliche Gnade) und schrieb die Liebesgeschichten (siehe website - Writing, dt. das Schreiben). Die Nirgendwo Gedichte (siehe website - Writing - Poetry, dt. Gedichte) entstanden während dieser besonders kreativen Periode.
 
M: Ausgehend von Deiner eigenen Erfahrung, was würdest Du Erleuchtung nennen?
 
P: Ich würde sagen, Erleuchtung beginnt, wo alle Worte enden. Also gibt es kein Wort, gibt es keine Möglichkeit, es zu definieren. Auch aus meinem eigenen Erleben heraus kann ich keine Worte finden. Das Wort Erleuchtung selbst ist aber ein Fingerzeig auf das, was jenseits von Worten ist. Vielleicht ist es nötig, ein Wort zu haben, weil das Wort Menschen anzieht.
Ich bin jetzt nahe an die Erleuchtung herangekommen. Durch dieses Näherrücken hat das Wort keine Bedeutung mehr. Es ist kein Wort, dessen ich mir dauernd bewußt bin. Es ist etwas, daß ich nicht genau erklären kann. Es ist gewissermaßen eine menschliche Erfahrung, die jenseits der Worte ist. Es beinhaltet zum Beispiel auch einen frühen Morgenspaziergang in einer schönen Landschaft. Mitten im Spaziergang bist du auf einmal vollkommen berührt von etwas, und dein Verstand steht still. Es könnte die hinter Bäumen aufgehende Sonne sein, und das berührt etwas in dir, und du wirst vollständig gegenwärtig. Dieser Zustand ist vielleicht das, was mit dem Wort Erleuchtung gemeint ist. Was wir Frieden nennen, Zufriedenheit, Glück. Diese Worte beschreiben den Zustand. Jedoch die Tiefe und Natur dieses Zustandes, wenn er völlig enthüllt ist, sind jenseits der Worte.
Um die Frage, was Erleuchtung ist, zu beantworten, würde ich mich einfach stumm hinsetzen, in die Kamera schauen und etwas würde auf meinem Gesicht erscheinen, unddas wäre das Beste, was ich tun könnte.
 
Also gut, vielleicht sollten wir die Sache etwas deutlicher machen. Wie ist dein Leben heute, am dritten Juni 1994, im Vergleich zu vor zwei Jahren?
 
Es ist eine interessante Frage. Von außen betrachtet, wenn mir jemand folgen würde, würden sie wahrscheinlich feststellen, daß mein Leben nicht so verschieden erscheint. Ich tue die gleichen Dinge, esse, schlafe, lese, rede und verbinde mich mit Menschen. Was auch immer ich tat, von außen gesehen, würde es noch so ähnlich aussehen, aber innen hat sich in diesen zwei Jahren einiges geändert. Ich fühle mich sehr anders. Egal, was ich auch tue, ich fühle mich meistens gleich. Ich bin erstaunt, daß ich jetzt gerade hier mit dieser Kamera vor mir sitze und entspannt und friedvoll bin.
Was ich auch tue, das Gefühl innen ist eines von größerem Frieden und Zufriedenheit als zwei Jahre zuvor. Alles, was ich mache, fühlt sich auf eine Art auch entfernt von mir an, von etwas, das in mir ist und sich nie verändert.
Es gibt innen einen Raum, der mir sehr nah und vertraut wurde. Dieser Raum scheint sich nicht zu verändern, was auch immer geschieht, auch wenn da starke Gefühle auftauchen. Zum Beispiel, ich mag unglücklich oder sehr im Kopf sein, der Verstand rastet ein bißchen aus oder mehr als ein bißchen, aus welchem Grund auch immer:- niemand lebt in meinem Gästehaus, und ich habe kein Einkommen, und wovon soll ich leben, und jetzt werde ich hungern müssen!-
Nur das Übliche, wo der Verstand zu allen Arten von lächerlichen Schlußfolgerungen kommt. Ich kann immer noch sehr leicht auf diese Weise in meinen Kopf gehen und gefühlsmäßig hineingezogen werden und einen kleinen Ausraster für einige Stunden bekommen. Aber wenn es passiert, gibt es da noch das Gefühl, daß alles ein Scherz ist.
Etwas wird mich herausbringen, weil es das immer tut, und ich immer Essen habe, alles ist immer in Ordnung, und gewöhnlich sogar mehr als in Ordnung. Es gibt ein Vertrauen, auch wenn manchmal dieses Vertrauen anfänglich zerbricht. Auch wenn ich in den Gefühlsteil des Verstandes gehe, gibt es ein tiefes Wissen, daß es mich nicht an sich reißen kann. Es kann mich zeitweilig hin und her werfen, aber es hat nicht mehr die gleiche Gewalt, die es mal hatte.
Da ist ein tiefes Gefühl, daß ich den Tod angenommen habe. Ich spüre, ich könnte einfach so, in jedem Moment, sterben, und was auch immer die Erfahrung des Todes ist, dahinein kann ich mich entspannen. Das ist sehr verschieden von dem, wie ich mich vor zwei Jahren fühlte. Auch vor zwei Jahren war das Gefühl von Angst und die Reaktion auf die Möglichkeit des Todes weniger stark als zehn Jahre zuvor. Etwas hat sich verändert. Grundlegend ist es die greifbare Empfindung meines Selbst. Ich erwähne den Tod, weil diese Angst hinter fast allem, was wir tun, sehr stark ist.
Meine Sexualität ist eine weitere Sache, die sich in den letzten zwei Jahren sehr geändert hat. Die Veränderung geschah sehr plötzlich. Ich hatte einen sehr starken Sexualtrieb. Ich war sexuell sehr aktiv. Seit zwanzig Jahren war ich so und genoß es. Mein Sextrieb schien fast immer gegenwärtig. Es gab etwas in mir, daß mich zu Frauen und Sex geradezu hinschob. Es war jenseits von Verstand, Gedanke oder meiner Kontrolle. Vor zwei Jahren hörte es plötzlich auf. Fast von einem Tag auf den anderen verschwand es.
Diese Veränderung berührte viele Aspekte meines Lebens. Meine Konzentration lag nicht länger auf einer Partnerin für sexuelle Aktivitäten. Ich konnte viel mehr mit mir selber sein. Ich stellte fest, daß Frauen in meinem Leben noch vorhanden waren, aber meine Beziehung mit Frauen wurden spielerischer. Die Energie zwischen Mann und Frau ist köstlich. Innen gibt es nicht länger das Gewicht sexueller Wünsche, es berührt nicht mehr. Die Weise, wie ich einer Frau jetzt begegne, ist durch das Herz. Sex geschieht jetzt mit dem ganzen Körper. Es ist eine völlig andere Wahrnehmung als zuvor. Das ist die dramatischste körperliche Veränderung in diesen zwei Jahren.
Auf einer anderen Ebene ist das Leben ganz einfach. Ich habe keinerlei Ehrgeiz. Ich bin überrascht, daß ich noch in Lucknow bin. Aber nichts hat mich woandershin geholt.
 
Wartest Du auf irgendetwas, das geschehen sollte mit Papaji?
 
Nein, ich habe nicht das Gefühl darauf zu warten, daß hier irgendwas passiert. In der Tat, neulich fühlte ich eine Abneigung, zum Satsang zu gehen. Ich wollte nicht wirklich. Es war eine Periode von einem Monat, als Papaji nicht zum Satsang da war, weil er reiste. In diesem Monat hatte ich eine wundervolle Zeit. Es gab nie einen Augenblick der Langeweile. Es war fast besser als sonst, weil ich mehr in meiner eigenen Energie war. Manchmal fühlt es sich so an, als ob Satsang meine eigene Kreativität oder meine kreative Energie sabotiert. Es gibt einen schwachen Widerstand hinzugehen, dort zu sein.
 
Also, würdest Du Deinen Zustand einen Zustand der Erleuchtung nennen?
 
(Lacht.) Ich habe keine Ahnung. Ich bin nicht länger verstrickt in meinen Verstand auf die Art, wie ich es vorher war. Es gibt lange Perioden, da der Verstand nur minimalaktiv ist. Ich fühle, ich könnte nahe an der Erleuchtung sein, aber je näher ich mich ihr fühle, umso weniger weiß ich, was es bedeutet. Es ist so, als stündest du im Basislager und schaust nach oben zum Berggipfel. Du siehst den Gipfel, und er ist deutlich ausgeprägt und klar zu erkennen. Dann beginnst du hinaufzusteigen, und du zielst immer auf die Spitze. Am letzten Tag, wenn du ganz nah bei der Spitze bist, im letzten Zeltlager, wachst du morgens auf. Du schaust aus dem Zelt, und plötzlich ist da kein scharfer Umriß, kein Ziel mehr. Vielleicht ist da noch ein Stück flacher Fels zu erklettern. Das, was dich den ganzen Weg lang zog, fast bis zum Gipfel, ist nicht mehr zu sehen. Du bist mit dem Gipfel verschmolzen. Diese Übereinstimmung ist es, was ich fühle, also ich kann die Frage nicht bestimmter beantworten. Ich habe wirklich keine Idee.
 
Welche Frage würdest Du Papaji stellen, wenn er jetzt hier wäre?
 
Ich verbrachte gestern zwanzig Minuten mit Papaji, weil ich über ein Buchprojekt mit ihm sprechen wollte. Aber dann hatte ich keine Fragen. Zum ersten Mal war ich in der Lage, ganz entspannt mit ihm zu sein, weil ich nichts wollte.
 
Wenn Du eine letzte Gelegenheit hättest, ihn zu treffen und über Erleuchtung zu reden, würdest Du ihn etwas fragen?
 
Nein. Ich habe jetzt seit mehr als zwei Jahren dagesessen, ohne eine Frage zu stellen. (Er blieb weitere drei Jahre ohne Fragen.) Ich hätte jederzeit eine Frage stellen können, und es gab niemals eine Frage.
 
Was ist dann der Grund, zum Satsang zu gehen?
 
Ich weiß es nicht. In einem Sinne gibt es keinen Anlaß. Oftmals am Morgen, auf dem Weg zum Satsang, frage ich mich selbst, warum ich gehe. Dann habe ich einige wundervolle Momente während des Satsang. Ich denke dann, "Das ist es, weshalb ich kam!". Nicht zu wissen, ist großartig. Ich bin einfach hier. Ich muß nirgendwo andershin gehen. Ein Teil des Grundes, warum ich zum Satsang gehe, ist, daß da eine Gruppe von Leuten ist, die jeden Tag da sitzen. Ich genieße das sehr.
Kürzlich erlaubte ich meinem Verstand und meinen Gefühlen, sich mit der Idee zu beschäftigen, daß ich seit sehr langer Zeit hier bin und es Zeit ist zu gehen. Wohin gehe ich? Dies hielt für einige Tage an. Ich fühlte mich unsicher wegen meines Hierseins und empfand, als sollte ich weggehen. Das Ergebnis ist, daß ich noch hier bin und keine Pläne habe, irgendwohin zu gehen.
 
Vielleicht ist es die Sache mit der Glückseligkeit, die Dich hier hält?
 
Vielleicht. Es ist nicht immer glückselig. Manchmal bin ich einfach berührt. Ich bin berührt von einigen Späßen oder von Papajis unglaublicher Fähigkeit, Leute zu sehen. Ich bin erstaunt darüber, wie er, innerhalb Sekunden, direkt in die Menschen hineinsehen kann. Sie bekommen nicht die Antworten, die sie erwarteten oder wünschten, aber sie bekommen absolut immer das Richtige. Oft empfinde ich eine enge Verbindung mit dem, wie es richtig ist, und er hat sie genau und wunderschön. Das berührt mich immer.
Ich bin sehr berührt von der Liebe. Ich liebe diesen Mann, die Art, wie er scherzt; die Art, wie er jeden Tag kommt. Er ist so mitfühlend und geduldig und genießt einfach sein Leben. Sein Leben ist es, Satsang zu geben, und das ist wunderschön. Er ist erreichbar, offen, ob Leute kommen oder nicht. Es ist nicht wichtig, ob viele Leute oder nur wenige kommen. Wenn überhaupt, dann zieht er wahrscheinlich weniger Leute vor.
 
Es gab eine Zeit, da war es fast so, als müßten wir hier erleuchtet worden sein. Wir hatten eine Erfahrung öffentlich vor jedermanns Augen, und dann machte es Dich zu einem Teil dessen, was hier geschah. Es bedeutete, Du hattest ein Etikett. Dann solltest Du es hochhalten. Für mich zumindest, ich empfand es so, ich sollte es bewahren.
 
Wenn du das so sagst, setzt du voraus, daß es so etwas wie einen Kreis von Leuten, ein Publikum gibt...
 
Nein, in Bezug auf Papaji, der Druck, nicht zu zweifeln, irgendsoetwas.
 
Ich empfinde nicht so. Ich glaube, wenn eine brennende Frage hochkommen würde, dann würde ich sie fragen. Warum nicht? Zum Beispiel, vergangenes Jahr ging ich für eine Woche nach Bombay, und zufällig bevor ich abreiste, gab mir jemand die Telefonnummer von Ramesh Balsekar. Ich rief ihn an und besuchte ihn. Ich verbrachte eine Stunde mit ihm. Es war sehr schön, aber ich mußte nichts fragen. Hier war ein Mann, dessen Leben auf Bewußtheit ausgerichtet war, und da war die Gelegenheit, gemeinsam in dieses Abenteuer zu gehen und Dinge zu erörtern.
Als ich das erste Mal nach Lucknow kam, hatte ich ein sehr starkes handgreifliches Gefühl von "Ich will etwas bekommen". Es war seit Jahren da. Es war, als ob vor meiner Nase eine Möhre baumelte, und ich erwischte sie nicht. Jetzt ist dieses Gefühl weg.
Zu jener Zeit, und auch all die Jahre vorher auf dem Weg, war es enorm wichtig für mich, die Wahrheit zu finden. Ich gab all die Äußerlichkeiten, ein Jemand zu sein, im Beruf etwas darzustellen, Geld zu verdienen oder ein normales Leben mit einer Familie zu führen, auf. Ich konnte all diese Dinge leicht ziehen lassen, weil meine Konzentration auf die Wahrheit so stark war. Dieses Ausgerichtetsein auf Wahrheit war immer sehr wichtig für mich. Jetzt fühle ich mich der Wahrheit nah, und ich stelle fest, daß Wahrheit ein Spaß ist. Wahrheit ist Nichts. Auf eine Art gibt es sie gar nicht. Alles, was ich sagen kann, ist, sobald du ihr sehr nahe kommst, gehst du darin auf, und es gibt nie mehr ein Ziel oder eine Richtung oder den Drang irgendwohin zu gehen, du bist aus ihr gemacht. (Schweigen.)
Ich bin es jetzt. Mit dir hier sitzend, die Kamera, es fühlt sich ein bißchen komisch an, und ich höre zu, was ich sage, und ich staune:"Gut, es ist wahrscheinlich alles Unsinn." (Gelächter) Es macht auch nichts, wenn es so ist. Wir nehmen dieses kleine Video auf, wie wir übereinkamen, und es ist in Ordnung. Es ist Spaß. Wenn es jemanden berührt, großartig; wenn nicht, auch großartig.
 
Hast Du der Gesellschaft irgendetwas zu sagen?
 
Ich sage, daß es das alles wert gewesen ist. Was immer ich tat in meinem Leben, - auch wenn die Gesellschaft sagen könnte, daß ich draußen stehe und auf eine Menge verzichtet habe, - ich weiß immer noch, ohne darüber Zweifel zu haben, daß es das alles wert war.
 
Einfach wegen der Art und Weise, wie Du Deinen Körper und Verstand empfindest, macht es Dir nichts aus?
 
Ich glaube, da ist kein so großer Unterschied zwischen deinem Körper und meinem. Zum Beispiel, wenn mir jetzt jemand anbieten würde, für den Rest meines Lebens eine Frau zu sein, ich würde ja sagen, es wäre herrlich. Ich meine, ich würde keine Geschlechtsumwandlungsoperation machen. (Lacht.) Aber wenn jemand zaubern und mich in eine Frau verwandeln könnte, würde ich ja sagen. Ich bin bereit dafür. Es wäre ein Riesenspaß. Mein Leben ist da für Vergnügen, für Spiel. Obwohl ich nicht immer spielerisch bin, es fühlt sich so an, das Leben ist Spiel.
Ich könnte auch zu dem zurückkehren, was ich ursprünglich tat und Architekt sein, der Gebäude entwirft. Ich könnte das machen. Es wäre in Ordnung, weil diese Einstellung, daß alles Vergnügen ist, alles beeinflußt. Ich habe gesagt, daß ich mich zu jener Zeit nirgends wohlfühlte. Doch in Wirklichkeit fühlte ich mich mit mir selbst nicht wohl. Jetzt gibt es dieses Gefühl von Selbst, und das Alltagsleben brodelt einfach weiter.
Es ist wichtig, natürlich zu sein. Wenn ich in meine Vergangenheit zurückschaue und innerlich Verbindung aufnehme zu Premananda, als er zwanzig war, - er war unnatürlich. Ich war nicht mit den Schwingungen von Natur oder Kosmos verbunden, ich war nicht mit der Erde verbunden. Ich war überhaut kein natürlicher Mensch. Ich war starr und beschränkt und innerlich am Platzen, - in meinem Verstand alle Arten von Ideen und Glaubenssätzen.
In diesem Zustand ist es fraglich, ob die Existenz überhaupt so natürlich fließen kann,wie sie es jetzt tut.
Als ich jünger war und an den Tod dachte, waren da eine gewaltige Angst und Widerstände. Aber der Tod ist ein vollkommen natürlicher Teil unseres Lebens, so wie geboren zu sein ein ganz natürlicher Teil ist. Wenn Du jedoch völlig ängstlich und eng in dieses Erlebnis gehst, kannst du an dem Prozess gar nicht bewußt teilnehmen. Natürlich, du stirbst in jedem Fall, weil es diesen körperlichen Zusammenbruch gibt, aber wirst du durch diese Erfahrung mit Würde und Leichtigkeit und Hingabe gehen? Nein, nicht, wenn du eng bist und beschränkt.
 
Denkst Du, es macht etwas aus?
 
Mir ja. Als ich dort saß und mit der Existenz in Verbindung kam, entspannt genug, zu akzeptieren, was mir geschah, dann hätte ich es so beschrieben, daß Premanandas Bewußtheit ihn in diesen Zustand geführt hat. Ich benutzte meine Bewußtheit, das Bewußtsein, das für jeden erreichbar ist, um in diesen Zustand zu gelangen. Ich habe mein ganzes Leben dem gewidmet. Ich habe meine Wahl getroffen, um diese Bewußtheit zu erreichen, die mich zu dem Moment führt, wo ich loslassen und in diesem großartigen Erlebnis des Todes einfach sein kann.
 
Also gut, Du bist in der Lage loszulassen oder nicht loszulassen, das macht keinen Unterschied außer...
 
Ich rede nicht über besser oder schlechter in irgendeinem letzten Sinne, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Tod mit Widerstand und einem Tod in Natürlichkeit. Praktisch gesehen gibt es einen wichtigen Unterschied, ganz einfach zwischen Leiden und Ekstase. Wenn du dich gegen eine große Kraft sträubst, leidest du in direktem Verhältnis zu deinem Widerstand. Wenn du losläßt, kann der Moment hinreißend sein. Es scheint, als ob der Tod, der so ein großartiges Erlebnis ist, die Möglichkeit zu großer Ekstase enthält. Wir reden über den Tod, weil es so ein endgültiger Moment ist, zumindest für diesen speziellen Körper-Verstand. Nun ja, alles, was wir in unserem alltäglichen Leben tun, ist das gleiche Erlebnis. Halten wir fest oder geben wir uns hin? Also, ich rede über mein eigenes Leben, Alltag, Moment für Moment, genauso wie über meinen Tod. Was auch geschieht, es ist gut. Das zu sagen und innen zu fühlen als meine Wahrheit, ist ein unglaublicher Unterschied für mich zu dem, wie ich früher war.
 
Natürlich unterschiedlich, doch vielleicht bist du deshalb nicht erleuchtet.
 
Ich fühle, ich bin irgendwo oben am Gipfel dieses Berges, den ich zu erklettern versuchte. Wenn es so ist, wunderbar, wenn nicht, auch. Du weißt, es könnte sein, daß in Gipfelnähe ein Sturm aufkommt und dich hinunterbläst. Du rutschtst den ganzen Weg hinunter bis du dich plötzlich am Basislager wiederfindest. Du hast es nicht geschafft! Aber ich fühle, so ist es nicht. Es gibt eine Quelle, von der eine Kraft ausgeht, die alles zum Selbst zieht. Und in Gipfelnähe scheint die Sonne mit besonderem Glanz, gibt es einen Genuß von Gnade, die dich leicht und innig zu sich selbst hinbewegt. Das ist meine Wahrnehmung der Dinge. Ich bin irgendwo am letzten Lager, und da ist ein starkes Gefühl von Zufriedenheit. Diese tiefe Zufriedenheit gibt es seit langem.
In dieser Erfülltheit geschehen wundersame Dinge. Manchmal sprengen sie meinen Verstand. Wie kürzlich: Vor vier Monaten ging ich nachts spazieren. Ich verließ mein Haus, und anstatt nach links zu gehen, was ich normalerweise tue, um in die Natur zu gehen, ging ich nach rechts und gelangte vor ein großes Haus in Gomti Nagar, ein sehr großes Haus. Es war so groß, daß ich dachte, man könnte es als Satsang Halle nutzen. Alle Lichter waren an, und aus irgendeinem Grund ging ich hinein. Drinnen stieß ich auf den Besitzer. Das ganze Jahr über war das Haus leer gewesen. In der Nacht war der Besitzer da mit einigen Arbeitern. Sie beendeten gerade, die Marmorfußböden zu polieren. Wir unterhielten uns lange, und er zeigte mir das ganze Haus. Am Ende der Unterhaltung sagte er zu mir, "Warum kommen Sie nicht und leben in diesem Haus? Meine Kinder sind noch klein, und ich lebe auf der anderen Seite von Lucknow in der Nähe ihrer Schule, und ich will nicht wirklich hierherziehen in den nächsten ein, zwei Jahren."
Ich sagte, "Nein, nein, Sie scherzen, ich habe ein Haus. Ich bin es müde, ein Gästehaus zu betreiben, das Letzte, was ich brauche, ist noch ein Haus. Ich will lieberzum Strand gehen."- Innerhalb von zwei Wochen lebte ich in dem Haus! Ich hatte nicht das Geld dafür. Es war ein riesiger Spaß. Ich hatte keine Ahnung, warum ich in dem Haus wohnte. Es war wunderschön. Der Besitzer hatte den Marmor sorgsam ausgewählt, alle Holzarbeiten waren wunderschön, und es war eine Freude, dort zu sein, als Architekt und als jemand, der Schönheit genießt. Ich hatte eine großartige Zeit, drei Monate, bis ich eines Tages merkte, ich hatte nicht das Geld so weiterzumachen. "Das ist lächerlich. Das ist kein Spaß mehr, ich muß damit aufhören." In drei Tagen packte ich alle meine Sachen auf drei Rickshaws und zog zurück in mein Gästehaus.
Ich habe nie gewußt, warum ich dorthin ging und warum ich wegging. Es war ein großes Spiel für die drei Monate, die ich dort war. Ich begann, zum ersten Mal in meinem Leben, Gott anzubeten. Es gab dort einen wunderschönen Altar im Haus, der Krishna geweiht wurde. Das Haus rief danach, Krishna Haus genannt zu werden. Am ersten Tag ging ich aus, um einige Eimer und Hausrat für die Badezimmer zu kaufen und kam mit einer teuren Messingstatue von Krishna und Radha zurück, die ich auf den Altar stellte. Einige Tage danach kam ein Hindu vorbei und bot mir an, eine Puja in dem Altarraum durchzuführen. Drei Monate lang machte er ständig herrliche Puja`s im Haus, sang Bhajans, läutete die Glocke und machte alle möglichen lustigen Sachen. Ichliebte es. Das gab es nie zuvor in meinem Leben, und tatsächlich hatte ich mich immer gegen so etwas gesträubt. Ich empfand, es war Unsinn zu Gott zu beten, und hier tat ich es selbst und lud Freunde ein zum Singen. Wir hatten herrliche Zeiten, wo wir gemeinsam sangen. Es war wie eine göttliche Verrücktheit, und ich kann nicht sagen, warum ich es tat und es jetzt nicht mehr tue, nachdem ich in das alte Haus zurückgekehrt bin.
Es geschah in dem Haus für jene wenigen Monate, es war herrlich. Es war ein großes Spiel ohne irgendeinen bestimmten Sinn. Ich bin sicher, jeder hätte mir gesagt, daß ich verrückt bin. Aber, ich tat`s. Ich kann mich selbst so sehr loslassen, daß ich es einfach tun kann. Ich empfinde das als wunderbar. Früher in meinem Leben hätte ich eine Liste gemacht, das Erste, was ich gemacht hätte, wäre eine Liste gewesen. Soll ich in das Haus einziehen? Soll ich nicht in das Haus einziehen? Dann wäre ich endlos vor und zurück gegangen in meinem Verstand. Jetzt geschehen diese Dinge anders, und ich mag dieses Spiel.
 
Ende

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